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Oldtimer / Stories | ![]() |
Mercedes-Benz 170 V, Bj. 1950
Bereits 1936 im nachinflationären Olympiajahr
war die Geburtsstunde der seinerzeit recht fortschrittlichen Mittelklasselimousine.
Und so wurde aus dem Vorkriegsmodell ein Nachkriegsmodell und zugleich ein Symbol
des einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland nach 1945.

Zum Glück für Mercedes waren die Produktionswerkzeuge weitgehend der Zerstörung entgangen und der Wagen paßte, nicht nur mit seiner Länge von 4,28 Metern (20 cm weniger als die 97er C-Klasse) sondern auch mit seinem eher unauffälligen Design genau in diese Zeit. Sein hoher Qualitätsstandard ist mit dafür verantwortlich, daß laut Kraftfahrtbundesamt noch rund 890 Fahrzeuge zugelassen sind.
Wobei sich Qualität im laufe vieler Jahre relativiert. Waren doch viele Teile noch aus Holz am MB 170 V, und speziell diese Teile waren auch beim Modell des Herrn Weber aus Türkheim im Ällgau recht mitgenommen. Sein Modell holte er 1983 aus einer Scheune, und entsprechend war auch der Zustand. Dennoch legte er rund 5.000 Mark dafür auf den Tisch und sich anschließend 1½ Jahre mächtig ins Zeug, um aus dem Haufen verrosteten Blechs und verfaulten Holzes wieder einen Stern zu machen. Und zwar einen ganz besonderen, auch wenn das die "wahren" Oldtimerfans vielleicht entsetzen wird.

Denn sein 170 V sollte künftig als Cabriolet
auf den Starßen dieser Welt wandeln. So wurde das Auto erst einmal komplett
zerlegt, das Dach aufgeschnitten, fehlende Teile zusammengekauft oder auch selbst
hergestellt, was für Herrn Weber kein großes Problem darstellt, schließlich
ist er gelernter Spengler und und richtet im Beruf täglich Unfallautos
oder baut im Kundenauftrag alte Wagen wieder auf.
Den Motor hat
er überholen lassen, neue Kolben etc. waren fällig. Der Rest ist original,
die Stoßstangen z.B. mußten lediglich neu verchromt werden. Sogar
die Sitze sind noch die alten, allerdings hat sie ein Sattler mit neuem Bezugsstoff
überzogen. Auch beim Cabrioverdeck war fachmännische Hilfe nötig.
Die neue Farbe des Karosserie "rot-metallic" ist auch nicht original,
steht dem Wagen aber sehr gut, besser als das triste Schwarz des Urzustandes.
Der 1,7-Liter-Vierzylindermotor ist in der vorderen Rahmengabel an zwei Punkten schwebend gelagert, das mindert die Schwingung im Aufbau deutlich. Dank eines Steigstromvergasers lag der Verbrauch bei rund 10 l/100 km, die 38 PS reichten für 108 km/h. In alten Prospekten ist nachzulesen: "Für den 170 V wurde im Prinzip das gleiche Öldruckbremssystem gewählt, mit dem auch Mercedes-Benz-Rennwagen ausgestattet sind. Bei den fahrbaren Geschwindigkeiten eine beruhigende Sache. Bereits seit 1940 war das Vierganggetriebe vollsynchronisiert. Ab 1949 gab es dann auch den 170 D mit Dieselmotor, der ebenfalls 38 PS leistete, aber nur 7,5 Liter verbrauchte.

Den ersten richtigen Einsatz hatte das Weber-MB-170-Cabrio zur Hochzeit seines Restaurators. Seitdem wird der Wagen nur bei schönen Wetter und meist nur für kürze Ausfahrten aus der Garage geholt. Dort steht übrigens auch noch ein Messeschmitt Kabinenroller "Schneewittchensarg" von 1955. Natürlich ebenfalls fahrbereit. Und in der Werkstatt arbeitet Herr Weber gerade an der Wiederherstellung eines Ford T-Modells von 1927, allerdings im Kundenauftrag.