Ohne Geschrei über Stock und Stein? Autofahren mit dem Baby

Deutschland gilt als Reisenation schlechthin. Dass zu den jährlich rund 53 Millionen Reisenden auch einige Eltern gehören, liegt auf der Hand. Schließlich soll das Familienleben auch in weiter Ferne genossen werden. Insbesondere das Verreisen mit jungem Nachwuchs, eventuell gar mit einem Baby, kann den Eltern allerdings einiges abverlangen. Worauf es bei der Reise mit Baby im Auto ankommt und wie Sie die Überfahrt für alle Insassen so angenehm wie möglich machen können, verraten die folgenden Zeilen.

 

Safety first

Ganz gleich, wo die Reise auch hingehen soll: Kein „Trick“, die Autofahrt etwas angenehmer zu gestalten, darf das Wohl des Kindes gefährden. So müssen Babys unbedingt aus ihrer Krippe oder Schaukelwiege genommen und in einem speziellen Kindersitz bzw. Babyschale untergebracht werden. Bis zu einem Gewicht von 9 Kilogramm ist dies sogar gesetzlich vorgeschrieben. Und: Das Baby darf lediglich entgegen der Fahrtrichtung transportiert werden! Außerdem sollte das Kind unbedingt auf einem der hinteren Sitzplätze Unterschlupf finden. Falls dennoch der Vordersitz genutzt wird, ist der Airbag zu deaktivieren.

Grund für den strengen Blick des Gesetzesgebers ist die junge und folglich nicht allzu kräftige Nackenmuskulatur des Neugeborenen: Im Verhältnis zum restlichen Körper fällt der Kopf bei einem Baby überdimensional groß aus. Wird der Nacken nun durchgehend durch die Fliehkraft der Vorwärtsbewegung belastet, drohen Folgeschäden. Und an die Auswirkungen eines schweren Unfalls möchte man erst gar nicht denken.

Übrigens: Ob und wann Babys mit dem Auto auf Reisen mitgenommen werden sollen, ist umstritten. So wollen amerikanische Forscher in einer Studie 2001 nachgewiesen haben, dass ein Kind selbst in einer passenden Kindersitzschale den ersten Monat überhaupt keine Autofahrt absolvieren sollte. Kinderärzte raten wiederum, erst nach dem dritten Monat mit dem Kind zu verreisen, sehen in einer gelegentlichen Fahrtzeit von maximal 2 Stunden allerdings keine großen Risiken.

 

Vorsorgen mit Bedacht

Das Equipment an Babyzubehör kann schnell ein Kinderzimmer füllen, doch für die eigentliche Reisedauer im Pkw ist nur ein Bruchteil von Bedeutung. Dieser sollte unbedingt gut erreichbar, am besten direkt neben dem Kind, platziert werden. Zu den Artikeln, die unbedingt auf Reisen mitgenommen werden müssen, gehören:

  • Windeln und Schnuller
  • Feuchttücher
  • Lätzchen
  • frische Kleidung
  • Alternativkleidung (falls das Kind schwitzen/frieren sollte)
  • Getränke und Nahrung
  • sämtliches Inventar zum Trinken beziehungsweise Stillen und Füttern
  • kleine Mengen an Cremes und Puder
  • Spielzeug zur Beschäftigung

Neben diesen Must-haves können noch einige weitere Artikel für Beruhigung sorgen. Das Lieblingsplüschtier oder eine Kuscheldecke gehört selbstverständlich ebenfalls auf die Reiseliste. Zudem empfiehlt es sich, Nahrung und Getränke in einer Kühlbox zu lagern, sofern in der Sommerzeit gereist wird.

Apropos Sommer: Die Luft im Auto während der Sommerzeit kann bekanntlich schnell ansteigen und selbst jedem erwachsenen Menschen zusetzen. Babys sind in diesem Punkt nochmals empfindlicher. So kann es sich, wenn möglich, durchaus lohnen, die Reise zu verschieben, falls gerade eine Hitzewelle heranrollt. Denn sowohl Klimaanlage als auch Fensterluft bergen große Gefahren für das anfällige Immunsystem eines Babys: Augen- oder gar Lungenentzündungen sind bei Kleinkindern nach langen Autofahrten keine Seltenheit.

Das Thema Krankheiten greift einen weiteren Aspekt auf: Medikamente. Ein kleines Allround-Set an Medikamenten mitzuführen, kann sicherlich nicht schaden, doch das Verabreichen von Medikamenten als Vorsorge ist absolutes Tabu! Und sollte der Schützling auf der Reise schwächeln, so gilt es grundsätzlich zuerst einen Arzt aufzusuchen – Eigendosierungen bergen immer Risiken.

 

Schlafrhythmus beachten

Die Eigenarten eines Kindes zu beachten und in die Reise zu „integrieren“ stellt einen weiteren großen Punkt auf dem möglichst angenehmen Weg zum Ziel dar. So spielen zum Beispieldie Schlafgewohnheiten eines Kindes eine große Rolle: Einige Nachkömmlinge schlafen im wahrsten Sinne des Wortes wie ein Baby, wenn sie die Vibrationen des Motors und die typische Geräuschkulisse des Wageninneren wahrnehmen. Andere Kleinkinder werden durch diese Atmosphäre in einen regelrechten Dauerwachzustand versetzt.

In letzterem Fall kann es helfen, um die Mittagszeit oder zur späten Abendzeit aufzubrechen: Durch den natürlichen Schlafrhythmus bestehen relativ gute Chancen, dass das Baby doch die eine oder andere Minute die Äuglein schließt.

 

Kleiner Zusatz, große Wirkung

Neben Spielzeug und Kuscheldecke können noch weitere Wegbegleiter nützlich sein. Befindet sich das Baby zum Beispiel noch in einer Babyschale, die in entgegengesetzter Fahrtrichtung angebracht ist, kann ein zusätzlicher Rückspiegel von Vorteil sein. Denn so kann der Fahrer Blickkontakt mit dem Nachwuchs halten. Sehr nützlich sind zudem Sonnenblenden beziehungsweise Sonnensegel, da selbst kleine Dosen an UV-Strahlen die empfindliche Haut des Babys angreifen.

Sofern das Baby auf einem der Hintersitze untergebracht werden kann, zahlt sich ein seitlicher Begleiter aus: Er kann sich weitaus besser als der Fahrer um das Baby kümmern, es beruhigen und unterhalten. So oder so lohnt sich auch die Installation eines Krippenmobiles, an dem Spielzeuge oder Anhänger baumeln und das Kind beschäftigen. Abschließend könnte noch mediale Ablenkung helfen: Eine Hörspiel-CD oder sanfte Töne aus der Handy-App beruhigen das Kind enorm. Und sollten die Sehnerven bereits ausgeprägt genug sein, kann ein Tablet-PC, angebracht mit einem Gurt am Vordersitz, durchaus aushelfen, wenn der Lieblingsfilm oder die Lieblingssendung des Kleinen über den Bildschirm huscht.

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